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Das Original Hellinger® Familienstellen von Bert und Sophie Hellinger wird weltweit durch die Hellinger®schule angeboten.

Beim Original Hellinger® Familienstellen zeigt sich, was in Familien krank macht und den Einzelnen an einem erfüllten Leben hindert. Die Hintergründe von Konflikten im privaten und beruflichen Alltag werden erkannt und aufgelöst.

Die Hellinger®schule ist eine staatlich anerkannte Schul- und Bildungsmaß-nahme für Erwachsene.

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Der Friede

Ich habe in Israel Aufstellungen in einen Kurs demonstriert. Es war ein junger Mann dabei, der sagte, er wolle sich das erst mal anschauen bevor er mitmacht. Nach der ersten Sitzung hat er sich bereit erklärt, im Kurs zu bleiben.

Seine Familie war mit einer Gruppe nach Ägypten gereist. An der Grenze hat ein ägyptischer Wachmann um sich geschossen und acht israelische Kinder getötet, darunter die Schwester des Klienten. Er war damals acht Jahre alt.

Ich habe das aufgestellt: die erschossenen israelischen Kinder, den ägyptischen Wachmann und den Klienten.

Der Klient wollte nicht hinschauen und hat sich abgewandt. Bei ihm hat sich nichts bewegt.

Dann habe ich fünf palästinensische Kinder, die von Israelis getötet wurden, sich auf den Boden legen lassen. Damit kam Bewegung in die Gruppe. Einige der israelischen Kinder wollten hinüber zu den palästinensischen Kindern. Diese aber haben sich zurückgezogen.

Dann habe ich Stellvertreter für Eltern der erschossenen israelischen Kinder aufgestellt, und Stellvertreter für die getöteten palästinensischen Kinder.

Der ägyptische Wachmann ging hinüber zu den Eltern der israelischen Kinder und hat geweint. Der Klient ging zu den Eltern der palästinensischen Kinder. Sie haben sich umarmt. Die palästinensischen Kinder sind auf dem Boden zu den israelischen Kindern hingekrochen.

Was konnten wir hier sehen? Erst wenn wir alle in den Blick nehmen und sie einen Platz in unserem Herzen bekommen, finden diese Kinder Frieden.

 

Handeln

In der Bibel gibt es eine Geschichte. Da hatte einer fünf Talente und hat nichts damit gemacht. Ein andere hatte nur ein Talent und hat alle anderen überholt. Er hat etwas damit gemacht.

Ich erzähle noch eine Geschichte. Da ist einer im Zug im Schlafwagen gefahren. Er lag im unteren Bett und über ihm lag einer, der hat immer vor sich hingesagt: „Ich habe so einen Hunger, ich habe so einen Hunger.“ Daraufhin ist der Untere aufgestanden und hat ihm etwas zu Essen gebracht.

Nach einiger Zeit fing der Obere wieder an zu reden: „Ich hatte so einen Hunger, ich hatte so einen Hunger.“

Ich habe herausgefunden, dass es beim Helfen nur auf eines ankommt, auf etwas ganz einfaches. Es gibt nur einen Weg, der zum Ziel führt: Wir bringen jemanden in Verbindung mit seiner Mutter und mit seinem Vater. Das ist alles. Manche haben es ein bisschen leichter, manche ein bisschen schwerer, vor allem jene, die noch Vorwürfe an ihre Eltern haben, oder an andere.

Ich erzähle noch eine Geschichte aus Israel. Da war ein Teilnehmer an einem Kurs, der aus Deutschland kam. Sein Vater war Überlebender von Buchenwald. Dann habe ich die Opfer, die dort umkamen, und den Vater aufgestellt. Die Opfer hatten vor ihm Angst.

Danach habe ich zwei Stellvertreter fürder Täter aufgestellt. Der Stellvertreter des Vaters ist zu den Tätern gegangen. In seiner Energie war auch er ein Täter. Der Klient hatte sich immer als Opfer dargestellt, hier aber hat er sich hinter den Opfern versteckt. Auch er hatte eine Täter-Energie. Als das am Licht war, habe ich es abgebrochen.

Wir können mit niemandem arbeiten, solange er sich als Opfer darstellt. So lange sich einer als Opfer präsentiert, ist er aggressiv gegen andere. Er macht jene, die ihm helfen wollen, ebenfalls aggressiv.

Viele, Kinder, die in einem Heim sind, haben Vorwürfe gegen ihre Eltern. Sie sagen: „Wenn sie anders gewesen wären, wäre ich anders geworden.“

Ich habe einmal eine Übung mitgemacht. Da hat jemand  Rechtecke auf den Boden gezeichnet, drei Rechtecke nebeneinander. Das erste Rechteck stand für die idealen Eltern. Ich habe mich auf das erste Rechteck gestellt und wurde gefragt, wie sich das anfühlt, ideale Eltern zu haben. Dann habe ich mich in das nächste Rechteck gestellt. Es stand für die schlechtesten Eltern, die es überhaupt gibt. Wieder wurde ich gefragt, wie sich das anfühlt. Danach ging ich in das dritte Rechteck. Es vertrat meine Eltern, wie sie wirklich waren. Wieder wurde ich gefragt, wie sich das anfühlt.

Was war das Ergebnis?  Ich habe mich bei allen dreien gleich gefühlt. Was zeigt das?

Jeder hat die gleichen Chancen, wenn er sie will.

Dem Sohn des Überlebenden aus Buchenwald habe ich erzählt, was ich euch erzählt habe. Er kam später zu mir völlig verändert. Er sagte: „Jetzt habe ich begriffen.“ Er ging zu einem der Veranstalter hin und sagte: „Jetzt habe ich mein Opferdasein aufgegeben.“ Er gab auf, sich als Opfer darzustellen und Mitleid zu erwarten du zu fordern.

Manche, die in Heimen waren oder adoptiert wurden, machen es sich zum ebenfalls zum Beruf, anderen Vorwürfe zu machen. Wenn sie mal darüber hinweg sind, können sie sagen: „Ja, so waren meine Eltern. So sind sie mir recht. Ich habe alles bekommen, was ich brauche. Andere haben mir weitergeholfen, und jetzt mache ich etwas damit.“ Dann ist er frei. Er kann diese Vergangenheit hinter sich lassen und schaut nach vorn.

 

Übung: Du und ich

Ich mache mit euch eine kleine Übung. Ihr könnt die Augen zumachen.

Jetzt könnt ihr durch euer Leben gehen und euch alle die Menschen vorstellen, auf die ihr böse seid. Sie stehen alle nebeneinander: diejenigen, die euch etwas angetan haben, und diejenigen denen ihr etwas angetan habt, sowohl als auch.

Ihr geht zu jedem hin. Ihr schaut ihm in die Augen und sagt: „Ich bin wie du, genau wie du.“ Ihr spürt, was in eurer Seele vor sich geht, wenn ihr das sagt, und geht ihr zum nächsten: „Ich bin wie du, du bist wie ich.“ Und dann zum nächsten. Ihr schaut ihm in die Augen und öffnet euer Herz. „Ich bin wie du, du bist wie ich.“

Nach einer Weile: Wenn ihr durch seid, wendet euch mit ihnen zusammen dem Horizont zu.

Wieder nach einer Weile: Es ist noch dunkel und das Licht ist verborgen. Vor diesem verborgenen Licht verneigt ihr euch gemeinsam.   

 

Demut

Vor längerer Zeit bin ich in Israel an den See Genezareth gefahren, an den Platz, an dem Jesus die Bergpredigt gehalten hat. Ein wunderschöner Platz, ganz still, ganz friedlich. Dort hat er gesagt: „Selig die Friedensstifter, sie werden Kinder Gottes heißen.“ Und er hat gesagt: „Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen.“ Und: „Mein Himmlischer Vater lässt die Sonne scheinen über Gute und Böse und Regen fallen über Gerechte und Ungerechte.“ Wir alle kennen das.

Als wir zurückgefahren sind, habe ich mir vorgestellt: Was geht in einer Seele vor, die sich dem öffnet? Was heißt das genau? Wenn wir in die Seele hinein spüren, wenn das jemandem gelingt, was muss da vor sich gehen?

Dann kam mir ein Satz: „Liebe heißt anerkennen, dass alle anderen mir vor etwas Größerem gleichen.“ Demut heißt das Gleiche, Vergeben und Vergessen auch: Anerkennen, dass alle anderen mir vor etwas Größerem gleichen.