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Editorial
Liebe Leser,
der fünfte Internationale Kongress für Systemaufstellungen 2005 in Köln führte mehr als tausend Teilnehmer aus vierzig Ländern zusammen. Eindrücklich brachte er ans Licht, wie das Familienstellen und die durch das Familienstellen gewonnenen neuen Erfahrungen weltweit Beachtung finden.
In vielen Vorträgen und Seminaren konnten wir uns ein Bild machen, auf welch vielfältige Weise sich das Familienstellen weiterentwickelt hat. Für viele Menschen wurde es zur Lebenshilfe, die viele Türen öffnete, die vorher verschlossen waren.
Besonders bewegend war am letzten Tag des Kongresses der Vortrag von Bruder David Steindl-Rast "Wie das Göttliche in uns wächst." Bruder David Steindl-Rast ist Benediktiner und lebt in den USA. Sein Vortrag berührte die Teilnehmer auf besondere Weise, denn er zeige, wie hinter allem Helfen etwas Letztes zum Zuge kommen will, das uns über alle von uns gesetzten Grenzen hinweg in der Tiefe verbindet. Auf so etwas hatten die Teilnehmer schon lange gewartet.
Bruder David hat mir erlaubt, seinen Vortrag in Köln in dieser Zeitschrift zu veröffentlichen. So können auch Sie die Bewegung der Teilnehmer seines Vortrags beim Lesen nachempfinden.
Im Oktober vorigen Jahres habe ich Bruder David in seinem Kloster Mount Savior in Ithaka, nördlich von New York besucht, zusammen mit meinem Freund Ludwig Fischer. Ich kannte Bruder David schon von Vorträgen in Salzburg und aus seinen Büchern. Obwohl die Organisatoren des Kongresses in Köln Bruder David schon lange vorher zu einem Vortrag und Kurs nach Köln eingeladen hatten, zögerte er noch, diese weite Reise auf sich zu nehmen. Nach dem gemeinsamen Gottesdienst im Kloster, machten wir einen langen Spaziergang und tauschten uns aus über "Gotteserfahrung heute". Wir waren uns einig, wie vorsichtig wir sein müssen, unsere inneren Erfahrungen zu deuten oder festzulegen. Am Ende unseres Spazierganges stimmte Bruder David zu, nach Köln zu kommen und mit mir in Verbindung zu bleiben. Soviel zum Hintergrund für diesen besonderen Beitrag, den Sie in diesem Heft finden.
Ähnlich bewegend bei diesem Kongress waren ein Vortrag und ein Austausch mit Antjie Krog aus Südafrika. Sie berichtete von ihrer Arbeit bei der Wahrheitskommission in Südafrika, die versuchte, die Täter und Opfer des Apartheitregimes miteinander zu versöhnen. Anders, als viele in Europa darüber berichtet haben, wollte die Wahrheitskommission einen Beitrag leisten, um das beschädigte Menschliche auf beiden Seiten zu heilen und wiederherzustellen. Am Ende ihres Vortrags standen mir die Tränen in den Augen. Da ich selbst viele Jahre in Südafrika gelebt habe, hatte ich einen besonderen Bezug zu ihrem Bericht. Bei der Arbeit der Wahrheitskommission ging es in erster Linie um die Rückgewinnung der seelischen Ganzheit, sowohl bei de Opfern als auch bei den Tätern. Die Ganzheit wird wiederhergestellt, wenn die Täter sich wieder menschlich verhalten und das durch ihr Handeln auch zeigen. Erst dann können sich Opfer und Täter wieder von Mensch zu Mensch begegnen, jeder in sich wieder ganz. Das war für mich ein Beispiel von Lebenshilfe in unserer Zeit in einem besonders tiefen und zukunftsweisenden Sinn.
Im anschließenden Austausch habe ich gesagt, dass aus meiner Erfahrung die Versöhnung erst dann bleibend gelingt, wenn beide, Täter und Opfer, einander sagen können: "Ich anerkenne, ich bin wie du."
Lebenshilfe in unserer Zeit bedeutet am Ende, dass zusammenfindet, was getrennt war. Diese Zeitschrift leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Wie das im Einzelnen erkannt, nachempfunden und verwirklicht wird werden kann, zeigen die Berichte in diesem Heft auf vielerlei Weise.
Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen mit Hilfe dieser Zeitschrift vieles Neue für Sie persönlich und für Ihre Beziehungen auf erfüllende Weise gelingt.
Leseproben:
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